Förderung koordinierter multimodaler Leistungen


Soziale Untersützung neben medizinischer Behandlung

Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigen neben medizinischer Behandlung häufig auch intensive soziale Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen. Für Kinder und Jugendliche ist dies lange schon gelebte Versorgungsrealität durch die Sozialpsychiatrievereinbarung, die Multiprofessionalität in den Praxen ermöglicht. Es ist überfällig, dies für die gesamte Lebensspanne im SGB–V zu implementieren.Nach heutigen Behandlungsstandards mit unwidersprochenen bio-psychosozialen Krankheitsmodellen bedarf es neben der medizinischen und psychotherapeutischen und auch der sozialtherapeutischen Hilfestellung für die Patienten. Dies betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern in einem großen Maße alle Menschen, die unter schweren psychischen Erkrankungen leiden, wie z. B. Psychosen oder schweren Depressionen. Es betrifft aber auch Menschen mit Angst- und Zwangserkrankungen, mit Demenzen oder Persönlichkeitsstörungen.Der Bedarf an solchen Interventionen wird durch den Schweregrad der Erkrankung und dadurch bedingte Einschränkungen des psychosozialen Funktionsniveaus definiert und somit steht der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der Neurologe, Nervenarzt, Facharzt für Psychosomatik und der Kinder- und Jugendpsychiater im Zentrum des zu knüpfenden therapeutischen Hilfesystems.

 

Indikationsabhängige multiprofessionelle Versorgung von Patienten

Ähnlich der Sozialpsychiatrieverordnung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist eine indikationsabhängige multiprofessionelle Versorgung von Patienten aus der psychiatrischen Praxis heraus zu fordern.  Bestehende Modelle der soziotherapeutischen Hilfen sind zu unflexibel und werden bei weitem nicht in dem Maße umgesetzt, wie es aus therapeutischer Sicht sinnvoll und notwendig wäre.

Wie die meisten organischen Erkrankungen können fast alle psychischen Erkrankungen ambulant ohne eine stationäre Intervention behandelt werden. Der politische Wille weist genau in diese Richtung. Krankenhäuser sollen die Möglichkeiten des Home-Treatments nutzen, um Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrem Wohnumfeld zu versorgen.

Der gut ausgebaute ambulante Versorgungsbereich wäre in gleichem Maße, wenn nicht sogar besser befähigt, multiprofessionelle Behandlung möglich zu machen, und stationäre Behandlungen bereits im Vorfeld zu vermeiden, wenn den dort tätigen Ärzten die wirtschaftlichen und juristischen Möglichkeiten dazu gegeben werden, und dies über die gesamte Lebensspanne der Betroffenen.

Interventionen im Lebensumfeld der Patienten sind eine besondere Expertise gerade des ambulanten ärztlichen Versorgungssektors, es kann hier in den Praxen auf bestehende langjährige Erfahrungen zurückgegriffen werden.

Zu fördern sind patientenorientierte Behandlungen durch Behandlungsteamsbestehend aus:

  • Facharzt/ärztin (Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Neurologie, Nervenheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie)
  • Psychologischer Psychotherapeut / -therapeutin, Kinder und Jugendlichenpsychotherapeut / -therapeutin
  • Sozialpädagogen
  • Ergotherapeuten
  • Physiotherapeuten
  • Medizinische Fachangestellte
  • Soziotherapeuten

Neben der Vergütung der einzelnen Berufsgruppen ist die Vernetzungs- und Koordinierungsleistung, die in der psychiatrischen (neurologischen….) Praxis erfolgt, neu abzubilden.

Mehr Patienten auf hohem Qualitätsniveau versorgen

Es ist gut belegt, dass mit Modellen wie der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung im ambulanten Sektor wesentlich mehr Patienten von einem Arzt auf hohem Qualitätsniveau versorgt werden. Gerade für Menschen mit komplexen psychischen Erkrankungen stellt die ambulante, koordinierte und strukturierte multiprofessionelle Behandlung eine hinreichend niedrigschwellige und dennoch sehr gut haltgebende Behandlungsmöglichkeit dar, insbesondere für die Patientengruppen die durch die Richtlinienpsychotherapie nicht erreicht werden, weil sie den hohen personalen und sozialen Anforderungen, die für eine Richtlinienpsychotherapie erforderlich sind, nicht gewachsen sind. Stationäre Behandlungen, Brüche in der Behandlungskontinuität können dadurch oftmals vermieden werden, Krisen können ambulant bewältigt werden, aber auch chronisch kranke Menschen kontinuierlich betreut, und damit Krisen vermieden werden.


Spitzenverband ZNS 2017