Ökonomische Bedeutung


Ohne Gehirn und Psyche ist der Mensch nichts

Neurologische und psychische Erkrankungen berühren das Innerste, den Kern und das Identitätsstiftende des Menschen. Ohne Gehirn und Psyche ist der Mensch nichts. Entsprechend hoch ist die Belastung für Patienten und Angehörige, das Ausmaß der Teilhabeproblematik und die Einschränkungen der Lebensqualität. Auch unter ökonomischer Betrachtung nehmen neurologische und psychische Erkrankungen eine Spitzenposition ein.Grüße Studien weisen aus, dass die Belastungen durch psychische und neurologische Erkrankungen massiv unterschätzt werden. Im Berichtsjahr 2011 waren 38 Prozent aller Einwohner der EU (plus Schweiz, Norwegen, Island) an einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung erkrankt.[1]

Neuropsychiatrische Störungen

Die häufigste neuropsychiatrische Störung sind Kopfschmerzen, die zweithäufigsten Angstkrankheiten, Schlafstörungen und unipolare Depression. Die belastendsten unter den psychischen und neurologischen Erkrankungen (im Sinne des kumulativen Verlustes an qualitätsadjustierten Lebensjahren) sind unipolare Depressionen gefolgt von, Alkoholkrankheiten, Demenzen und Schlaganfall. Die teuersten dieser Erkrankungen (Gesamtkosten, direkte plus indirekte Kosten) sind affektive Störungen (inkl. unipolare Depression), gefolgt von Demenzen und Psychosen.

Lasten durch Erkrankungen des Gehirns

38,2 Prozent aller Einwohner der EU (plus Schweiz, Norwegen, Island) leiden einmal pro Jahr an einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung, das sind 164,8 Millionen Menschen. Schlaganfall, Parkinson, MS und andere neurologische Erkrankungen sind hier außer den Demenzen noch nicht mitgezählt. Die Last durch Erkrankungen des Gehirns insgesamt liegt also noch höher.

26 Prozent der gesellschaftlichen Gesamtbelastung

Psychische und neurologische Störungen sind zusammen für 26 Prozent der gesellschaftlichen Gesamtbelastung durch Krankheiten in der EU verantwortlich. Damit sind Erkrankungen des Gehirns vor Krebs- und Herzerkrankungen die häufigsten und am meisten belastenden Erkrankungen. Dabei erhalten höchstens ein Drittel aller Betroffenen in der EU  irgendeine Therapie. Die Behandlung startet meist erst Jahre nach Krankheitsbeginn und entspricht o nicht den minimalen Anforderungen an eine adäquate Therapie. Nur rund zehn Prozent der Therapien sind laut Studien  „minimal adäquat“ und die Versorgung hat sich seit 2005 trotz großer medizinischer Fortschritte nicht wesentlich verbessert.

Versorgung Kinder und Jugendlicher

In der Versorgung von Kindern und Jugendlichen weisen die Ergebnisse des Kinder- und Jugend-Gesundheit-Surveys (KiGGS) ebenfalls auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung eines qualitativ guten und für die Bevölkerung erreichbaren Versorgungsangebots hin. So wiesen 11,5% der Mädchen und 17,8% der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren relevante Verhaltensaufälligkeiten, ca. 9% der Altersgruppe emotionale Störungen und mehr als 5% Hyperaktivitätsprobleme auf, fast 22% der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren zeigten Symptome von Essstörungen. Auch wenn von den genannten Kindern und Jugendlichen nicht alle behandlungsbedürftig sein dürfen, so illustrieren die Zahlen eindrucksvoll die Bedeutung psychischer Problemstellungen und die Notwendigkeit einer koordinierten und fachgerechten Abklärung.

  • [1] Dr. HU Wittchen, Institute of Clinical Psychology and Psychotherapy, TU Dresden (European Psychopharmacology, 2011;21:655-679)

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