Die neue Psychotherapie-Richtlinie kann in dieser Form keine Steuerungswirkung entfalten

29. März 2017

Der „Erweiterte Bewertungsausschuss“ hat über die Honorierung der am 1. April neu ins System gekommenen psychotherapeutischen Leistungen entschieden.  Diese Entscheidung wird im Spitzenverband ZNS (SpiZ) sehr kritisch gesehen.

„Wir sind entsetzt über die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses. Die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Psychotherapeutische Akuttherapie hätten deutlich besser vergütet werden müssen. Die gute Idee der neuen Psychotherapie-Richtlinie, akute Situationen in der Psychotherapie besser und niedrigschwelliger abzubilden, wird durch die zu geringe Honorierung der Leistungen konterkariert,“ erklärt Dr. Irmgard Pfaffinger, SpiZ-Mitglied und Vorsitzende des Bundesverbandes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

„Durch die Blockadehaltung der Kassen kann die Richtlinie nicht die gewünschte Steuerungswirkung entfalten. Es ist unverständlich, dass die neu eingeführte psychotherapeutische Akutbehandlung schlechter vergütet wird, als die Richtlinien-Psychotherapie. Es wird höchste Zeit für ein Umdenken auf Seiten der Krankenkassen. So muss auch die Vergütung für die Akuttherapie in der Neurologie, Psychiatrie, Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychosomatik deutlich angehoben werden. Die enorme Bedeutung neurologischer und psychischer Erkrankungen und damit auch der sprechenden Medizin für die gesamte Gesundheitsversorgung sollte allen Beteiligten präsent sein. Das muss sich endlich auch auf eine sachgerechte Vergütung dieser Leistungen auswirken“, betont Dr. Christa Roth-Sackenheim ebenfalls Mitglied des SpiZ und Vorsitzende des Berufsverbands deutscher Psychiater.

Die jetzige Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses konterkariert jedoch die Hoffnungen, mit der neuen Psychotherapie-Richtlinie endlich einen Einstieg in eine zeitnahe qualifizierte psychotherapeutische Versorgung sicherzustellen, ergänzt der Vizepräsident des Spitzenverbands ZNS und Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Dr. Gundolf Berg.

Spitzenverband ZNS 2017