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27. Januar 2020 Uncategorized0

Der Versorgungsbedarf bei Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen hat dramatisch zugenommen und dies mit erheblichen gesundheitsökonomischen Folgen. So haben etwa die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Krankheiten seit 2000 um 90% zugenommen. Die hier notwendige krankheitsspezifische Zuwendungsmedizin ist und bleibt trotz moderater prozentualer Honorarerhöhungen unterfinanziert. Eine lediglich formale Aufwertung der Gespräche in nahezu allen Fachgebieten nach dem Gießkannenprinzip löst dieses Problem nicht.

 

Der Gesetzgeber hat diesen Bedarf erkannt und der Gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen im TSVG auferlegt, die Sprechende Medizin zu fördern, erklären die im SpiZ zusammengeschlossenen Verbände, Berufsverbände der Neurologen (BDN), der Kinder- und Jungendpsychiater (BKJPP), der Nervenärzte (BVDN), der Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (BVDP), der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (BPM) und der Berufsverband der Ärztlichen Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker und der tiefenpsychologisch fundiert tätigen Ärztinnen und Ärzte (BÄP in der DGPT).

„Die aktuelle EBM-Änderung bewirkt eine Umverteilung in nahezu allen Fachgruppen mit nur minimaler Aufwertung spezifischer Gesprächsleistungen bei gleichzeitiger zum Teil massiver Abwertung der Grundpauschalen in den Fächern der sprechenden Medizin“, verdeutlicht der Präsident des SpiZ, Uwe Meier. Hier wurde in sämtlichen Leistungen bei allen Fachgruppen der Arztanteil erhöht. Steuerungseffekte, die zu einer spürbaren Verbesserung der Versorgung der Patienten führen, sind vor diesem Hintergrund kaum zu erwarten. Dem Willen des Gesetzgebers wurde hier allenfalls formal entsprochen.

„Die Chance einer punktgenauen Förderung spezifischer diagnostischer und therapeutischer Leistungen, von der die Patienten unmittelbar profitieren, ist nicht genutzt worden“, bekräftigt Sabine Köhler, Vorsitzende des BVDN.

Dies sei umso fataler, als es gerade die im SpiZ zusammengeschlossenen Facharztgruppen seien, die durch spezifische Intervention in Form von Gesprächen und Zuwendung den Hauptteil der Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen tragen.„ Mit der EBM-Reform sollten die technischen Leistungen neu bewertet und die Leistungen der Sprechenden Medizin endlich höher bewertet werden“, beklagt Ingrid Möslein-Teising, Vorsitzende der BÄP in der DGPT.

„So wird die lediglich moderate Besserstellung mancher Gesprächsleistungen dadurch konterkariert, dass diese nicht zu 100% ausbezahlt werden bzw. die sogenannten Grundpauschalen erheblich abgesenkt werden. Dadurch werden Praxen mit hohem Patientenaufkommen (Versorgerpraxen) das Nachsehen haben, obwohl gerade diese unverhältnismäßig stark unter Bürokratie und Regressdrohungen leiden, erläutert Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des BVDP.

„Ohne eine gezielte Förderung der zeitgebundenen Gesprächsleistungen zur Diagnostik, Behandlung und Therapieprüfung wird sich nichts an der angespannten Versorgungssituation neurologisch, psychiatrisch und psychosomatisch erkrankter Kinder und Erwachsener ändern“, konstatiert Irmgard Pfaffinger, Vorsitzende des BPM.

Mit Blick auf die Bedarfe der Menschen mit neurologischen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen müssen Anreize bereits intensiv zu Beginn der Erkrankungen gesetzt werden im Sinne einer gezielten Förderung spezifischer Gesprächsleistungen. Nur so lassen sich Chronifizierungen, längere und aufwändigere Behandlungen und Folgekosten reduzieren.

 

Die EBM-Reform unter dem Aspekt der Kostenneutralität ist kein geeignetes Mittel, das Versorgungsproblem von Patienten mit psychischen Erkrankungen zu lösen.



22. Januar 2020 Uncategorized0

Der SpiZ veröffentlicht gemeinsam mit der Patientenvertretung DMSG das White Paper Multiple Sklerose 2030 und fordert eine bessere Versorgung und Teilhabe von Menschen mit MS

 

Der Spitzenverband ZNS (SpiZ), der Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) und der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) haben heute gemeinsam mit dem Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband (DMSG) das White Paper Multiple Sklerose Versorgung 2030 veröffentlicht. Darin fordern wir ein stärkeres Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Multipler Sklerose (MS), eine koordinierte, facharzt- und sektorenübergreifende gesundheitliche Versorgung und eine verstärkte berufliche und soziale Teilhabe von Menschen mit MS.

 

Das White Paper soll einen Anstoß für eine öffentliche Debatte geben, wie Menschen mit MS durch eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung selbstbestimmt am Leben teilhaben können. Martina Stamm-Fibich, Mitglied des Deutschen Bundestags und Patientenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, unterstützt die Initiative und das Anliegen, die Versorgung und Teilhabe von Menschen mit MS zu verbessern. „Der Schulterschluss zwischen Politik, Ärzten und Patientenvertretungen kann dazu beitragen, allen Patienten eine bedarfsgerechte Versorgung zu ermöglichen“, sagt Dr. Uwe Meier, Präsident des SpiZ.

 

Die medizinische Versorgung von Menschen, die an MS erkrankt sind, ist aufwändig und auf Grund der komplexen Versorgung therapeutisch herausfordernd. „Um die passende Therapie zu finden, muss das gesamte therapeutische Spektrum zur Verfügung stehen. Dazu braucht es weitere Anstrengungen, allen Patientinnen und Patienten Therapien bedarfsgerecht zu ermöglichen. Schnittstellen und vor allem ungewollte Steuerungseffekte, die durch Verordnungsquoten oder Leistungsbudgetierung entstehen, müssen weiter abgebaut werden,“ fordert Dr. Uwe Meier.

 

In der MS-Versorgung ist in den vergangenen Jahren bereits viel passiert. Arzneimitteltherapien sind heute verfügbar, die nicht nur besser wirken, sondern auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern helfen. Zu einer patientenorientierten Versorgung gehören auch neuropsychologische Behandlungen, Physiotherapien, Ergotherapien, Logotherapien, ambulanten Neurorehabilitationen und Pflegeangebote. Für den Erhalt der Erwerbsfähigkeit und Berufstätigkeit, der sozialen Teilhabe und der Mobilität sind sie bedeutend.

 

„Dem White Paper müssen nun Maßnahmen und Positivbeispiele folgen, die die patientenorientierte, facharztübergreifende und koordinierte Versorgung erleichtern,“ so Dr. Uwe Meier. „Dafür müssen die relevanten Akteure aus Politik, Selbstverwaltung und Versorgung an einem Strang ziehen.“

 

Die komplette Version des White Papers finden Sie kostenfrei hier.

 


Spitzenverband ZNS 2017